Gerichtsgeschichten.koeln

Ein Tag am Gericht ist ein Blick in das Leben. Deswegen berichte ich gerne vor dort – und zwar nicht nur über skandalträchtige Fälle.

Aufgewachsen in Köln-Sülz, nur 2,2 Kilometer vom Kölner Justizzentrum entfernt, brauchte ich doch den Umweg über Rheinbach, Königswinter und Bonn, bis ich begonnen habe, über Prozesse vom Kölner Land- und Amtsgericht zu schreiben.

An meine Zeit Anfang der 2000er Jahre in den kleinen Gerichten in Rheinbach und Königswinter denke ich sehr gerne. Beide Amtsgerichte waren ideal, um das Justizwesen kennenzulernen: jeweils nur ein Strafrichter, der wöchentlich eine überschaubare Anzahl von Verhandlungstagen hatte – und mir geduldig alles erklärte, was ich nicht verstand. Was ich dort kennengelernt habe: echte Menschenfreundlichkeit. Ulrich Schulte-Bunert, zu dessen Prozessen am Rheinbacher Amtsgericht ich meine ersten Gerichtsreportagen für die Bonner Rundschau schrieb, und Ulrich Feyerabend, damals noch Richter in Königswinter (heute Direktor des Amtsgerichtes Siegburg) haben mein Bild davon geprägt, wie Richter im Idealfall sein sollten – nämlich geduldig, unvoreingenommen, den Menschen zugewandt und engagiert.

Nach kurzen Vertretungen am Bonner Landgericht folgte eine Phase regelmäßiger Berichterstattung aus Köln für die Kölnische Rundschau. Seit Dezember 2020 bin ich für t-online regelmäßig als Reporterin am Kölner Landgericht, gelegentlich auch am Amtsgericht. Noch immer faszinieren mich die Abgründe und Kuriositäten, von denen ich dort erfahre. Um einen Raum zu haben für Geschichten, die in der tagesaktuellen Berichterstattung meiner Meinung nach zu kurz kommen, habe ich einen neuen Blog gestartet: www.gerichtsgeschichten.koeln .

Wie bei allen meinen Geistreicher!-Projekten geht es auch hier darum, in die Tiefe zu schauen, Zwischentöne zu hören und Besonderheiten herauszuarbeiten, die es wert sind, nicht übersehen zu werden.